Produktionstechnik Sachsen 2020
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Flechten und Pressen neu kombiniert

Dresdner Unternehmen herone entwickelt und industrialisiert innovative Leichtbau-Technologie

Antriebswelle, Stützstrebe, Rohrleitung von herone.

Antriebswellen, Stützstreben, Rohrleitungen sowie weitere Profile können mit der neuen herone-Technologie sehr effizient hergestellt werden.

Ein Forschungsprojekt zur Herstellung individuell geformter Luftfahrt-Hydraulikleitungen gab den Anstoß für die Entwicklung einer neuen Leichtbau-Technologie. Mit dieser Innovation sind deren Erfinder aus dem Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik der TU Dresden den Weg in die Selbstständigkeit gegangen und haben im Mai 2018 die herone GmbH gegründet.

Flechten und Pressen sind verkürzt gesagt die Verfahren, die herone zu einer neuen Hohlprofil-Technologie kombiniert. Aus vorimprägnierten Faserkunststoff-bändchen (CFK oder GFK) werden in einem automatisierten Prozess endkonturnahe Preformen geflochten, die für eine optimale Lastaufnahme ausgelegt sind. Unter Druck und hoher Temperatur erfolgt das Pressen des vorgeformten Rohlings zum finalen Bauteil. Dabei können bereits weitere Funktionalitäten wie Gewinde oder andere Verbindungselemente zeitgleich integriert werden. Nachträgliche Fügeprozesse sind somit nicht erforderlich.

automatisierter Flechtprozess

Mittels automatisiertem Flechtprozess entstehen die Vorformen für die Hochleistungskunststoff-Profile von herone.

Composite-Bauteile zehn Mal schneller als bisher produzieren

„Wir können die Faser-Thermoplast-Profile zehn Mal schneller herstellen, als es bisher möglich war. Die herkömmliche Produktion von Composite-Bauteilen ist zumeist mit einem hohen manuellen Arbeitsaufwand verbunden und eignet sich daher nur bedingt für Anwendungen mit hohen Stückzahlen. Unser technologischer Ansatz verbindet die hohen Produktionsraten eines Textilprozesses mit den kurzen Zykluszeiten eines Pressprozesses. Damit erreichen wir eine skalierbare industrielle Serienproduktion“, erläutert Daniel Barfuß, einer von drei herone-Gründern und verantwortlich für Geschäftsentwicklung & Vertrieb. Das mittlerweile auf zehn Personen angewachsene Team fokussiert den Luftfahrtsektor als Hauptzielmarkt für seine Produkte. „Wir haben mit Partnern aus diesem Bereich die Technologie kontinuierlich weiterentwickelt und sehen hier großes Anwendungspotenzial. Die Forderungen nach Leichtbau und daraus resultierender Gewichts- und Emissionsreduzierung sowie wachsende Stückzahlen können wir mit unserer Technologie gut erfüllen“, betont Daniel Barfuß. Dank der interessanten Materialeigenschaften von thermoplastischen Faserverbunden wie Biokompatibilität oder Medienbeständigkeit eröffnen sich weitere Absatzmärkte in der Öl- und Gasindustrie, in der Medizin-, Sport- und Freizeit-Branche sowie im Automotive-Bereich.
Das junge Unternehmen absolviert aktuell den Schritt vom Entwicklungsdienstleister zum Produzenten funktionalisierter Faserverbund-Profile. Im Dresdner Norden errichtet herone eine Fertigung, die ab 2021 in Betrieb gehen soll. Sie wird über das KETs-Programm aus Mitteln der EU und des Freistaates Sachsen gefördert. Mit KETs (Key Enabling Technologies/Schlüsseltechnologien) wird der Transfer von Entwicklungen mit hoher Innovations- und Wirtschaftskraft in die industrielle Serienfertigung unterstützt.

www.herone.de