Produktionstechnik Sachsen 2019
Online Magazin

Navigation

Wie aus Daten Motivation und Produktivität entstehen

Ein mittelständischer Sondermaschinenbauer auf dem Weg zu einem digitalen Geschäftsmodell

Kieselstein International GmbH

Jens Kieselstein demonstriert, wie mittels der App K.connect die Abläufe im Unternehmen transparenter und effizienter gestaltet werden.

Jens Kieselstein demonstriert, wie mittels der App K.connect die Abläufe im Unternehmen transparenter und effizienter gestaltet werden.
Foto: Ina Reichel

Ziehmaschinen für die Drahtindustrie

Die Kieselstein International GmbH Chemnitz ist in einer Nische der Produktionstechnik zu Hause. Das Unternehmen stellt Ziehmaschinen für die Drahtindustrie her und ist bei Ziehschälanlagen Weltmarktführer. Im historischen Firmensitz mit langer Tradition in der Drahtziehmaschinenherstellung verbindet das Mitarbeiter-Team heute analoge Arbeitsprozesse mit digitalen Informationen. Mehr über die Gründe und Effekte erfuhren die Teil­nehmer eines Unternehmerforums Mitte Februar 2019, zu dem das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Chemnitz eingeladen hatte.

Sondermaschinenbau bedeutet kaum Wiederholteile, wenig Standards. Um einzelne Komponenten den richtigen Baugruppen zuzuordnen, um Montagezeiten oder Teilekosten genau zu erfassen, müssen viele Zeichnungen, Tabellen und Ordner gesichtet werden. „Das verschlingt Zeit. Wir wollten schneller zu den richtigen Informationen am richtigen Platz kommen und haben uns deshalb Industrie 4.0-Themen zugewandt“, beschreibt Geschäftsführer Jens Kieselstein die Ausgangslage.
Das Unternehmen hat sich dafür mit einem Partner aus der Kreativwirtschaft zusammengeschlossen, der Agentur Creativclicks. Ein Ergebnis daraus ist die App K.connect. Mit der Android-basierten Tabletversion werden die Mitarbeiter des Wareneingangs, der Qualitätskontrolle und der Montage bei ihrer Arbeit unterstützt. Ebenso nutzt die Unternehmensleitung K.Connect, um Informationen jederzeit verfügbar zu haben. Dazu werden sämtliche Bauteile mit einem QR-Code versehen. Dieser lässt sich über die Kamerafunktion des Tablets scannen. Die jeweiligen Informationen werden nutzerspezifisch aus einer Datenbank und dem ERP-System angezeigt.
Ein erster wesentlicher Effekt aus der App lässt sich nicht sofort in Euro und Cent messen, ist aber für Jens Kieselstein die wohl wichtigste Basis, um künftig aus Daten Geschäft zu generieren: „Die Nutzung digitaler Prozesse motiviert enorm. Die Mitarbeiter merken, dass sich Abläufe vereinfachen und sie von organisatorischen Aufgaben entlastet werden. Sie setzen sich damit auseinander und bringen Ideen zur Weiterentwicklung der App ein.“
Aus den positiven Erfahrungen im eigenen Haus entstanden Überlegungen, bestimmte Funktionen auch den Anwendern zur Verfügung zu stellen, beispielsweise für die Wartung und Instandhaltung der Maschinen. Der Kunde erhält statt einer statischen technischen Dokumentation in Papierform ein Tablet mit allen wichtigen Daten zur Anlage und kann damit interagieren. Dieses digitale Retrofit-Modell soll künftig über eine eigene Firma vermarktet werden, deren Gründung Kieselstein und Creativclicks derzeit betreiben. Eine Vision ist, nicht nur die Kieselstein-Maschinen in die Software einzubinden, sondern eine digitale Plattform für alle Anlagen beim Kunden zu schaffen und damit das Retrofitting noch effizienter zu gestalten. Andere Maschinenhersteller stehen einer solchen Idee aufgeschlossen gegenüber, hat Jens Kieselstein nicht zuletzt auch zur Veranstaltung in seinem Haus erfahren: „Wir haben bereits mehrere Termine im Nachgang vereinbart.“

www.kieselstein.com
www.betrieb-machen.de