Produktionstechnik Sachsen 2019
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Neue Mobilität: Was kommt auf die Ausrüster zu?

Fachforum auf Intec und Z: Diskussion zu Herausforderungen und Chancen für Fertigungstechnik und Zulieferindustrie

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Praktiker und Politiker diskutierten zum Fachforum new mobility im Rahmen von Intec und Z 2019 die Chancen und Herausforderungen, die neue Fahrzeugantriebe für Ausrüster und Zulieferer mit sich bringen.

Praktiker und Politiker diskutierten zum Fachforum new mobility im Rahmen von Intec und Z 2019 die Chancen und Herausforderungen, die neue Fahrzeugantriebe für Ausrüster und Zulieferer mit sich bringen. Von links: Reinhard de Vries/Geschäftsführer VW Sachsen GmbH, Christian Hirte/Parlamentarischer Staatssekretär Bundeswirtschaftsministerium, Dr. Jens-Jörg Eßer/ Geschäftsführer Hobe GmbH und Dr. Stephan Kohlsmann/Geschäftsführer Profiroll Technologies GmbH.
Foto: Frank Reichel

Neue Mobilität

Anfang Februar 2019 war Leipzig erneut für vier Tage das Zentrum der metallverarbeitenden Industrie und der Zulieferbranche in Europa. 1324 Aussteller aus 31 Ländern präsentierten zum Messedoppel Intec und Z innovative Produkte, Neuheiten und Weiterentwicklungen. 24.400 Besucher aus 41 Ländern informierten sich auf dem ersten wichtigen internationalen Branchentreff des Jahres zu Produktionstechnik und Zulieferleistungen. Ein Thema in den Messehallen war der im Gange befindliche Wandel in der Automobilindustrie und dessen Auswirkungen auf den Maschinen- und Anlagenbau sowie die Zulieferindustrie.

Konkret wurde das Thema zum Fachforum new mobility aufgegriffen, das erstmals im Rahmen von Intec und Z stattfand. Mit welchen Herausforderungen die Investitionsgüterindustrie fertig werden muss, verdeutlichte vor allem Dr. Stephan Kohlsmann. „Als Werkzeugmaschinenhersteller sind wir abhängig vom Optimismus unserer Kunden“, sagte der Geschäftsführer der Profiroll Technologies GmbH Bad Düben. Das Unternehmen bedient mit seiner Maschinen-, Werkzeug- und Verfahrenskompetenz für das Verzahnungswalzen vor allem Zulieferer aus dem Getriebebau. Derzeit sei deren Situation aufgrund über Nacht gestoppter Abrufe im Dieselsegment sowie wenig belastbarer Aussagen zur zukünftigen Technologie- und Stückzahlentwicklung von großer Unsicherheit geprägt. Profiroll setzt deshalb auf neue Automotive-Applikationen unabhängig vom Antriebsstrang, beispielsweise mit Glättwerkzeugen für elektromechanische Lenkungen. Ein weiterer Weg ist das Engagement in Wachstumsmärkten. 2018 hat der sächsische Maschinenbauer ein Sales- und Service-Unternehmen in China gegründet. Schon länger aktiv ist er in Indien. Darüber hinaus hat Profiroll sein Portfolio mit dem Zukauf eines Pressenherstellers erweitert und bietet Technik für die Fertigung von E-Motoren und Batterien an. „Wir können uns nur selbst helfen und dürfen nicht auf Unterstützung der Politik hoffen“, betonte der Mittelständler und kritisierte in der Podiumsdiskussion des Fachforums die einseitig auf batterieelektrische Antriebe ausgerichteten europäischen CO2-Ziele. Vielmehr müsse das Thema CO2-Reduzierung in seiner Gesamtheit betrachtet und gelöst werden.

Unternehmen brauchen Klarheit

Zustimmung fand er damit im Publikum und bei den weiteren Podiumsteilnehmern. Dr. Jens-Jörg Eßer, Geschäftsführer des Präzisionswerkzeugherstellers Hobe GmbH aus Baden-Württemberg, forderte eine technische und lösungsoffene Diskussion, die zu Klarheit und Planungssicherheit für Unternehmen führen muss. Reinhard de Vries, Geschäftsführer Technik und Logistik der VW Sachsen GmbH, verwies darauf, dass den gegenwärtigen Wandel zur E-Mobilität keiner mehr aufhalten kann. Ihn weiter mit Steueranreizen und entsprechender Infrastruktur zu fördern, gab er dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeswirtschafts­ministerium Christian Hirte mit auf den Weg, der als Vertreter der Politik an der Diskussion teilnahm. Im Vorfeld hatte Reinhard de Vries den Transformationsprozess von VW ins elektromobile Zeitalter am Umbau des Werkes Zwickau zu einem reinen E-Mobilitäts-Mehrmarkenstandort geschildert. Die Auswirkungen der Antriebsstrang-Elektrifizierung auf den Maschinen- und Anlagenbau beschrieb Alexander Raßmann vom VDMA-Fachverband Antriebstechnik anhand der Studie „Antrieb im Wandel“. Chancen und Herausforderungen für die Zulieferindustrie stellte Prof. Dr. Thomas von Unwerth von der Professur Alternative Fahrzeugantriebe der TU Chemnitz vor. Für das Weltautoaufkommen sei das batterieelektrische Fahren nicht die alleinige Lösung. In punkto Langstreckenmobilität komme man an der Brenn­stoffzellen-E-Mobilität nicht vorbei. Prof. Unwerth hat mit weiteren Partnern den sächsischen Innovationscluster HZwo ins Leben gerufen, um die Themen Brennstoffzellen und grüner Wasserstoff zu etablieren und ein umfassendes Wertschöpfungsnetzwerk in Sachsen aufzubauen.